Zu Wechselwirkungen mit Antikoagulanzien gibt es einen viel zitierten Fallbericht aus dem CMAJ 2006: Bei einer 70-jährigen Patientin unter Warfarin traten schwere innere Blutungen auf, nachdem sie täglich 4 bis 5 Tassen Kamillentee getrunken und zusätzlich eine Kamillenlotion angewendet hatte. Ein pharmakokinetischer Synergismus wird vermutet, ist aber nicht abschließend gesichert. Eine randomisierte kontrollierte Studie 2023 mit gesunden Freiwilligen fand für eine kurzzeitige Kamillen-Einnahme keinen klinisch relevanten Effekt auf globale Gerinnungsparameter. Bei Dauergebrauch und Kombination mit Antikoagulanzien ist das theoretische Blutungsrisiko dennoch zu bedenken (Human, mittlere Confidence; Segal & Pilote CMAJ 2006 / ResearchGate 7145155; Perioperative Medicine 2023 zu 13741-023-00339-7). Auf Cytochrom-Ebene hemmt Kamille in vitro CYP1A2, CYP2C9, CYP2D6 und CYP3A4. Klinisch relevant beschrieben wurde eine mögliche Erhöhung von Ciclosporin-Spiegeln, dokumentiert in einem Fallbericht bei Transplantierten, sowie mögliche Interaktionen mit Tacrolimus und weiteren CYP3A4-Substraten. Diese Signale rechtfertigen Vorsicht, sind aber überwiegend in vitro und in Einzelfallberichten belegt (Labor mit klinischem Fall-Hinweis, mittlere Confidence; NCCIH Herb-Drug Interactions; PMC12155451).
Öffentliche Quellen
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