Ist Belegte Anwendung wissenschaftlich belegt oder vor allem traditionell überliefert?
T
TIKKI Wissensantwort
Hier ist die ehrliche Einordnung besonders wichtig. Belastbare Humanstudien speziell zum ätherischen Öl der Römischen Kamille zu Angst, Schlaf oder prämenstruellen Beschwerden fehlen weitgehend. Es gibt Aromatherapie-Studien zur Kamille bei Angst. Mehrere randomisierte kontrollierte Studien deuten an, dass eine Inhalation Angst senken kann, etwa bei Patienten mit akutem Koronarsyndrom (n=154), bei Pflegekräften (n=120) und bei älteren Menschen (n=183). Der entscheidende Vorbehalt: Die verwendete Spezies ist oft die Deutsche Kamille (Matricaria), nicht eindeutig angegeben oder mit Lavendel gemischt. Direkte Belege speziell für das Öl von Chamaemelum nobile sind daher begrenzt (PMC10763144; PMC7175441; PubMed 33454232). Diese Human-Ebene ist mit mittlerer Confidence einzuordnen. Die robusteste Human-Evidenz zur Kamille überhaupt betrifft den oralen Extrakt der Deutschen Kamille, verbunden mit dem Flavonoid Apigenin und einem GABA-A-assoziierten Wirkmodell, zum Beispiel in einer kontrollierten Studie bei generalisierter Angststörung. Diese Daten dürfen wegen der abweichenden Chemie nicht eins zu eins auf das Römisch-Kamillen-Öl übertragen werden. Diese Abgrenzung hat hohe Confidence (Abgrenzung Matricaria gegenüber Chamaemelum; WebMD/RxList; brieflands.com Narrative Review; naturalmentalhealth.com). Zusammengefasst beruht die beruhigende und schlaffördernde Anwendung des Öls primär auf Tradition und Erfahrung, nicht auf starken randomisierten Studien. Für das ätherische Öl selbst gibt es keine behördlich anerkannte Wirksamkeitsindikation.
Öffentliche Quellen
Verknüpfte Quellen mit dem im Datensatz ausgewiesenen Prüfstatus: