Die Studienlage zu sogenannten ‚Sportgenen‘ bei Senioren ist insgesamt dünn und uneinheitlich. Die meisten Untersuchungen zu Genvarianten wie ACTN3 („Sprint-Gen“), ACE (I/D-Polymorphismus) oder PPARGC1A (rs8192678) wurden an jungen oder gemischtaltrigen Leistungssportlern durchgeführt. Bei älteren Menschen kommen erschwerend Faktoren wie Trainingszustand, Komorbiditäten und Medikation hinzu, die genetische Effekte überlagern können. Einige kleinere Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Varianten (z. B. ACTN3 577X) mit geringerer Muskelkraft im Alter assoziiert sein könnten, während ACE-II-Träger möglicherweise von Ausdauertraining profitieren. Allerdings sind die Effektstärken gering und die Ergebnisse nicht konsistent. Die Evidenz reicht nicht aus, um personalisierte Trainingsempfehlungen allein auf Basis von Gentests zu geben. Für Senioren ist ein moderates, regelmäßiges Training (Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht) nach ärztlicher Abklärung nachweislich wirksam – unabhängig vom Genotyp. Die kommerzielle Vermarktung von „Sportgen“-Tests für Senioren ist daher kritisch zu sehen. Evidenzgrad: gemischt/unzureichend für spezifische Senioren-Empfehlungen.
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