Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon, das bei akutem Stress kurzfristig schützt. Der Mythos, dass Cortisol per se „böse“ sei und die Lebensspanne verkürze, ist zu pauschal. Tatsächlich zeigen Studien, dass chronisch erhöhtes Cortisol – etwa bei dauerhaftem psychosozialem Stress oder Cushing-Syndrom – mit beschleunigter Alterung, Immunschwäche und erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergeht. Allerdings ist Cortisol auch für den normalen Stoffwechsel, Entzündungsregulation und den Tag-Nacht-Rhythmus unerlässlich. Ein gesunder Cortisolspiegel folgt einer zirkadianen Dynamik: morgens hoch, abends niedrig. Ständiges „Cortisol-Management“ durch Nahrungsergänzungsmittel oder extreme Diäten ist meist unnötig und kann sogar schaden. Die Evidenz für direkte Langlebigkeitseffekte ist gemischt: Während chronischer Hypercortisolismus klar negativ wirkt, fehlen Langzeitstudien zu moderaten Schwankungen bei Gesunden. Fazit: Nicht Cortisol an sich, sondern die Dauer und Ursache der Erhöhung entscheiden über Gesundheitsfolgen. Einzelfalltests ohne ärztliche Begleitung sind wenig aussagekräftig.
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