Die Idee, dass eine Stuhlprobe direkt die Fruchtbarkeit vorhersagen oder verbessern kann, ist ein weit verbreiteter Mythos. Tatsächlich gibt es erste mechanistische Hinweise, dass das Darmmikrobiom über Entzündungswege oder Hormonstoffwechsel (z. B. Östrogenrückresorption via β-Glucuronidase) die reproduktive Gesundheit beeinflussen könnte. Diese Zusammenhänge sind jedoch überwiegend aus Tierstudien oder kleinen Beobachtungsstudien am Menschen bekannt. Hochwertige klinische Studien, die einen kausalen oder prognostischen Nutzen von Stuhltests für die Fruchtbarkeit belegen, fehlen. Die AMH-Messung (Anti-Müller-Hormon) ist dagegen ein etablierter, wenn auch begrenzter Marker für die ovarielle Reserve – aber auch sie sagt nichts über die tatsächliche Fruchtbarkeit oder die Chance auf eine natürliche Schwangerschaft aus (Cochrane-Reviews, PMID:29388198). Ein Stuhltest kann allenfalls Hinweise auf eine Dysbiose geben, die mit allgemeinen Gesundheitsproblemen assoziiert ist. Wer konkrete Fruchtbarkeitsfragen hat, sollte sich an eine reproduktionsmedizinische Fachpraxis wenden und nicht auf Selbsttests mit fragwürdiger Evidenz vertrauen. Die Evidenz für Stuhlproben und Fruchtbarkeit ist derzeit als ‚mixed‘ (mechanistisch/marketing) einzustufen.
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