Ein Blutbild (kleines oder großes) ist sinnvoll, wenn konkrete Symptome wie Müdigkeit, Blässe, Infektanfälligkeit oder unklare Blutungen vorliegen. Auch bei chronischen Erkrankungen (Niereninsuffizienz, Lebererkrankungen, Krebs) oder unter bestimmten Medikamenten (z. B. Chemotherapie, Immunsuppressiva) dient es der Verlaufskontrolle. Bei gesunden Erwachsenen ohne Risikofaktoren ist ein routinemäßiges Blutbild jedoch nicht evidenzbasiert empfohlen – die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) rät von Screening-Untersuchungen ohne Anlass ab. Vorsorgeangebote von Direktlaboren sind oft überflüssig und können zu falsch-positiven Ergebnissen führen, die unnötige Ängste oder weitere invasive Tests auslösen. Ein Blutbild ist ein nützliches Werkzeug, aber nur im klinischen Kontext und mit ärztlicher Interpretation. Die Aussagekraft einzelner Parameter (z. B. MCH, MCV) ist begrenzt; erst das Gesamtbild mit Anamnese und körperlicher Untersuchung erlaubt eine Bewertung. Evidenz: Praxisleitlinien (DEGAM, NICE).
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