Die Schilddrüsenhormone FT3 (freies Trijodthyronin) und FT4 (freies Thyroxin) stehen in einer komplexen Wechselwirkung mit Stress. Chronischer Stress aktiviert die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse), was die Ausschüttung von Cortisol erhöht. Cortisol kann die Umwandlung von FT4 in das aktive FT3 hemmen und gleichzeitig die Bildung des inaktiven Reverse-T3 (rT3) fördern. Dieses Phänomen wird als „Low-T3-Syndrom“ oder „euthyreote Sick-Syndrome“ bezeichnet. Studien zeigen, dass psychischer und physischer Stress (z. B. bei intensivem Training, Schlafmangel oder Krankheit) zu einem Abfall von FT3 führen kann, während FT4 oft normal bleibt oder leicht ansteigt. Die Evidenz basiert auf physiologischen Mechanismen und klinischen Beobachtungen, jedoch nicht auf randomisierten kontrollierten Studien am Menschen. Einzelfallanalysen sind daher wichtig. Cave: Ein niedriger FT3-Wert bei Stress bedeutet nicht zwingend eine Schilddrüsenerkrankung; eine Substitution mit Schilddrüsenhormonen ist ohne ärztliche Indikation nicht empfohlen.
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