Bei der Interpretation von fT4 (freies Thyroxin) unter Stress ist Vorsicht geboten. Akuter Stress kann die Schilddrüsenachse (HPT-Achse) vorübergehend dämpfen, was zu erniedrigten fT4-Werten führen kann – oft als „euthyreote Störung“ (ESS) bezeichnet. Chronischer Stress mit erhöhtem Cortisol kann die Umwandlung von T4 zu T3 hemmen, sodass fT4 im Normbereich oder leicht erhöht sein kann, während T3 niedrig ist. Ein isoliert erhöhter fT4 ohne TSH-Suppression ist selten und sollte an eine periphere Schilddrüsenhormonresistenz oder Medikamenteneinfluss denken lassen. Wichtig: fT4 allein ist kein Stressmarker. Klinische Symptome (Müdigkeit, Gewichtsveränderung) und TSH sind entscheidend. Bei auffälligen Werten unter Stress sollte die Messung nach Stressreduktion wiederholt werden. Die Evidenz basiert auf Beobachtungsstudien, nicht auf randomisierten kontrollierten Studien. Direkt-to-Consumer-Labore liefern oft keine ausreichende Interpretation. Fazit: fT4 unter Stress ist ein schwacher, unspezifischer Parameter; immer im Kontext von TSH, T3 und klinischem Bild bewerten.
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