Cortisol ist ein zentrales Stresshormon, das in akuten Situationen überlebenswichtig ist. Für die Longevity-Forschung ist jedoch chronisch erhöhtes Cortisol problematisch: Es fördert Entzündungen, Insulinresistenz, Muskelabbau und kann Telomere verkürzen – alles Faktoren, die den Alterungsprozess beschleunigen. Einige Studien zeigen, dass eine dauerhaft dysregulierte Cortisol-Achse (z. B. bei Burnout oder Schlafmangel) mit erhöhter Mortalität assoziiert ist. Daher kann die Messung von Cortisol (z. B. im Speichel-Tagesprofil) sinnvoll sein, um Stressmuster zu erkennen und gegenzusteuern. Allerdings ist ein einzelner Cortisolwert wenig aussagekräftig, da das Hormon starken zirkadianen Schwankungen unterliegt. Consumer-Tests bieten hier oft nur eine Momentaufnahme. Die Evidenz für einen direkten Nutzen von Cortisol-Messungen zur Lebensverlängerung ist daher als ‚practice/marketing‘ einzustufen – es gibt keine großen RCTs, die belegen, dass allein das Wissen um den Cortisolspiegel die Lebensspanne verlängert. Sinnvoller ist ein ganzheitlicher Ansatz: Stressmanagement, Schlafhygiene und Bewegung sind nachweislich wirksamer. Caveat: Ohne ärztliche Abklärung können falsch interpretierte Werte zu unnötiger Verunsicherung oder Supplementierung führen.
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