Cortisol-Tests (Speichel, Blut, Urin) unterliegen erheblichen Einschränkungen. Ein einzelner Messwert ist meist nicht aussagekräftig, da Cortisol starken tageszeitlichen Schwankungen unterliegt (morgens hoch, abends niedrig) und durch akuten Stress, Schlafmangel, Koffein oder Medikamente (z. B. Glukokortikoide, orale Kontrazeptiva) verfälscht wird. Speicheltests messen das freie, biologisch aktive Cortisol, sind aber anfällig für Kontamination (z. B. Blut im Speichel). Blutserum erfasst Gesamtcortisol, das durch Bindungsproteine (CBG) beeinflusst wird. Urin-Sammeltests (24h) geben einen integrierten Wert, sind aber aufwändig und störanfällig. Ohne klinische Symptome (z. B. Cushing, Nebenniereninsuffizienz) ist ein Screening nicht empfohlen. Consumer-Tests (z. B. MyBody-X) liefern oft nur einen Momentanwert – das Risiko von Fehlinterpretationen ist hoch. Die Evidenz für Selbsttests zur „Stressdiagnose“ ist schwach; eine ärztliche Abklärung mit dynamischen Tests (z. B. Dexamethason-Hemmtest, CRH-Stimulation) bleibt Goldstandard. Auch Referenzbereiche variieren je nach Labor und Methode. Fazit: Cortisol-Tests haben klare Grenzen – sie sind als alleinige Entscheidungsgrundlage ungeeignet und sollten immer im klinischen Kontext bewertet werden.
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