Die Frage, ob Folsäure (Vitamin B9) zur Langlebigkeit beitragen kann, ist wissenschaftlich differenziert zu betrachten. Folsäure ist essenziell für die DNA-Synthese und -Reparatur sowie für die Methylierung, die epigenetische Prozesse reguliert. Ein Mangel führt zu erhöhtem Homocystein, einem Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kognitiven Abbau. In Beobachtungsstudien wurde eine niedrige Folat-Aufnahme mit höherer Sterblichkeit assoziiert. Allerdings zeigen randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit Folsäure-Supplementierung (oft in Kombination mit B12 und B6) keine konsistente Senkung der Gesamtmortalität oder der Krebsinzidenz. Bei älteren Menschen mit hohen Homocysteinwerten kann eine Supplementierung das kardiovaskuläre Risiko senken, aber ein genereller Nutzen für die Lebensverlängerung bei Gesunden ist nicht belegt. Hohe Dosen Folsäure könnten sogar unerwünschte Effekte haben (z. B. Maskierung eines B12-Mangels). Die Evidenz ist daher als moderat einzustufen: Folsäure ist wichtig für die Gesundheit, aber kein ‚Langlebigkeits-Wundermittel‘. Ein ausgeglichener Folatstatus über die Nahrung (grünes Blattgemüse, Hülsenfrüchte) ist empfehlenswert, eine Supplementierung nur bei nachgewiesenem Mangel oder erhöhtem Homocystein.
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