MC4R (Melanocortin-4-Rezeptor) ist vor allem als zentraler Regulator von Appetit und Energiehomöostase bekannt. Loss-of-Function-Mutationen im MC4R-Gen sind die häufigste monogenetische Ursache für schwere Adipositas. Ein direkter, von Körpergewicht unabhängiger Einfluss auf die Fruchtbarkeit ist wissenschaftlich nicht robust belegt. Die beobachtete reduzierte Fertilität bei MC4R-Mutationsträgern wird überwiegend auf die Adipositas selbst zurückgeführt, die über Insulinresistenz, Hyperandrogenämie und Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse die Reproduktionsfunktion beeinträchtigt. Tiermodelle zeigen, dass MC4R auch an der Regulation der Gonadotropin-Freisetzung beteiligt sein könnte, doch die Übertragbarkeit auf den Menschen ist unklar. Direkt-to-Consumer-Gentests, die MC4R-Varianten analysieren, liefern keine validen Vorhersagen zur individuellen Fruchtbarkeit. Die Evidenz für einen Mythos oder Fakt ist gemischt: Ein direkter kausaler Zusammenhang ist nicht erwiesen, vielmehr handelt es sich um eine indirekte Assoziation über Adipositas. Ohne spezifische Studienlage im Kontext bleibt die Aussage konservativ.
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