Ein verbreiteter Mythos besagt, dass Cortisol Allergien grundsätzlich verschlimmert. Tatsächlich wirkt Cortisol als körpereigenes Glukokortikoid stark entzündungshemmend und kann akute allergische Reaktionen dämpfen. Das ist der Grund, warum Kortisonpräparate in der Allergietherapie eingesetzt werden. Allerdings ist die Realität komplexer: Chronisch erhöhte Cortisolspiegel durch anhaltenden Stress können das Immunsystem langfristig dysregulieren. Dies kann zu einer verminderten Toleranz gegenüber Allergenen führen und Entzündungsprozesse sogar verstärken. Zudem beeinflussen Allergien selbst die Cortisolausschüttung – etwa durch Schlafstörungen oder die Belastung durch die Erkrankung. Die Forschung zeigt, dass eine gestörte Cortisol-Rhythmik (z. B. morgendlich zu niedrig) mit stärkeren allergischen Symptomen assoziiert ist. Wichtig ist: Einzelfallaussagen sind schwierig, da viele Faktoren wie Genetik, Lebensstil und Allergenexposition eine Rolle spielen. Ein einfacher Mythos wie „Cortisol ist immer schlecht für Allergien“ wird der wissenschaftlichen Komplexität nicht gerecht. Die Evidenzlage ist moderat – es gibt klare Zusammenhänge, aber keine einfache Kausalität. Für Betroffene ist es ratsam, Stressmanagement als Teil der Allergietherapie zu betrachten, aber nicht als Ersatz für medizinische Behandlung.
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