Die Frage, ob Insulin bei Langlebigkeit sinnvoll ist, erfordert eine differenzierte Betrachtung. In der Grundlagenforschung (z. B. an Würmern, Fliegen, Mäusen) ist eine reduzierte Insulin/IGF-1-Signalgebung mit verlängerter Lebensspanne assoziiert. Beim Menschen ist die Lage komplexer: Einerseits kann eine Insulinresistenz (z. B. bei Typ-2-Diabetes) zu verkürzter Lebenserwartung führen, andererseits zeigen manche Langlebigen (z. B. Hundertjährige) oft niedrigere Insulinspiegel und eine erhöhte Insulinsensitivität. Exogenes Insulin (als Medikament) wird bei Diabetes eingesetzt, um Blutzucker zu kontrollieren – eine Übertherapie mit Insulin könnte jedoch durch Hypoglykämien oder metabolische Nebenwirkungen schaden. Für gesunde Menschen ohne Diabetes gibt es keine Evidenz, dass Insulinpräparate die Langlebigkeit fördern; im Gegenteil, chronisch erhöhte Insulinspiegel (Hyperinsulinämie) gelten als Risikofaktor für Alterungsprozesse. Die Evidenzlage ist daher als ‚mechanistisch‘ bis ‚mixed‘ einzustufen: Tierexperimentelle Daten sind stark, humane Interventionsstudien fehlen weitgehend. Einzelfallentscheidungen sollten immer ärztlich begleitet werden.
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