Die Laienmeinung geht oft davon aus, dass ein erhöhter TSH-Wert bei Senioren immer behandlungsbedürftig ist, da er auf eine Schilddrüsenunterfunktion hindeute. Die Evidenz zeigt jedoch, dass der TSH-Referenzbereich mit dem Alter physiologisch ansteigt. Ein TSH bis etwa 4–6 mU/l kann bei über 70-Jährigen noch normal sein, ohne dass eine Therapie nötig ist. Studien belegen, dass eine Behandlung milder TSH-Erhöhungen (subklinische Hypothyreose) bei Senioren keinen klaren Nutzen bringt und sogar Risiken wie Herzrhythmusstörungen oder Übertherapie bergen kann. Die Leitlinien empfehlen daher eine individuelle Abwägung, basierend auf Symptomen, Antikörpern und Begleiterkrankungen. Der Unterschied zwischen Laienmeinung und Evidenz liegt also in der differenzierten Bewertung: Nicht jeder erhöhte TSH-Wert ist krankhaft, und eine Therapie sollte nicht allein aufgrund des Laborwerts erfolgen. Cave: Bei stark erhöhten Werten (>10 mU/l) oder klaren Symptomen ist eine Behandlung indiziert. Evidenzgrad: human-moderate (Beobachtungsstudien, Leitlinien).
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