Die Bestimmung von freiem Thyroxin (FT4) bei Müdigkeit (Fatigue) ist nur dann sinnvoll, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung besteht. Fatigue ist ein sehr unspezifisches Symptom – Ursachen reichen von Schlafmangel, Stress, Eisenmangel über Depression bis hin zu chronischen Entzündungen. Die Leitlinien (z. B. AACE/ATA) empfehlen als ersten Test TSH, nicht FT4. Ein isoliertes FT4 ohne TSH kann irreführend sein, da es bei latenter Hypothyreose noch normal sein kann. Erst bei auffälligem TSH wird FT4 zur genaueren Klassifikation bestimmt. Direkt-zu-Verbraucher-Tests, die FT4 als „Energie-Marker“ vermarkten, übertreiben oft die klinische Relevanz. Ein normaler FT4-Wert schließt eine Schilddrüsenstörung nicht aus, und ein grenzwertiger Wert ohne TSH-Kontext kann zu unnötiger Verunsicherung führen. Sinnvoller ist eine ärztliche Abklärung mit TSH, ggf. ergänzt durch Ferritin, Vitamin D, B12 und ein kleines Blutbild. Evidenz: Praxisleitlinien, moderate Studienlage. Keine randomisierten Studien belegen einen Nutzen von FT4-Screening bei unklarer Fatigue.
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