Ihre Skepsis ist berechtigt – die pauschale Empfehlung, vor einer Blutabnahme keinen Kaffee zu trinken, ist nicht für alle Tests gleichermaßen relevant. Kaffee enthält Koffein und andere bioaktive Substanzen, die bestimmte Laborwerte kurzfristig beeinflussen können. So kann Kaffee den Blutzucker- und Triglyceridspiegel erhöhen, die Cortisolausschüttung stimulieren und Leberenzyme wie die Gamma-GT beeinflussen. Für Nüchternblutzucker, Lipidprofile oder orale Glukosetoleranztests ist schwarzer Kaffee daher tatsächlich nicht empfehlenswert. Bei vielen Routineparametern (Blutbild, Schilddrüsenwerte, Elektrolyte) hat eine Tasse schwarzer Kaffee ohne Milch oder Zucker jedoch meist keinen klinisch relevanten Effekt. Die Evidenz basiert auf mechanistischen Studien und kleineren Humanuntersuchungen, nicht auf großen randomisierten Studien. Die individuelle Stoffwechsellage spielt ebenfalls eine Rolle. Letztlich sollten Sie die Anweisungen Ihres Arztes befolgen, da er weiß, welche Tests durchgeführt werden. Als Skeptiker ist es gut, nachzufragen – die Vorsichtsmaßnahme ist aber nicht aus der Luft gegriffen, sondern dient der Vermeidung falsch erhöhter oder erniedrigter Werte.
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