Bei Senioren wird Ferritin oft falsch interpretiert. Ein häufiger Fehler ist, Ferritin als alleinigen Marker für Eisenmangel oder -überschuss zu sehen. Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein, das bei Entzündungen, Infektionen, Lebererkrankungen oder chronischen Leiden (z. B. Rheuma, Krebs) ansteigen kann – unabhängig vom tatsächlichen Eisenstatus. Ein normaler oder erhöhter Ferritinwert schließt daher einen funktionellen Eisenmangel nicht aus, insbesondere bei älteren Menschen mit chronischen Entzündungen. Umgekehrt kann ein niedriger Ferritinwert auf Eisenmangel hindeuten, sollte aber immer mit anderen Parametern wie Hämoglobin, Transferrinsättigung und CRP abgeglichen werden. Ein weiterer Fehler ist die unkritische Eisensupplementierung bei erhöhtem Ferritin, ohne die zugrunde liegende Entzündung zu berücksichtigen. Bei Senioren mit Ferritin >100 ng/ml und gleichzeitig niedriger Transferrinsättigung kann ein funktioneller Eisenmangel vorliegen, der eine gezielte Behandlung erfordert. Die Evidenz basiert auf klinischer Praxis und Leitlinien, nicht auf direkten Studien aus dem gegebenen Kontext. Daher ist die Bewertung als ‚practice‘ angemessen. Vorsicht: Keine Eisengabe ohne ärztliche Abklärung, insbesondere bei älteren Patienten mit Multimorbidität.
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