Die Genetik des Testosterons ist ein aktives Forschungsfeld, aber die Aussagekraft für den Einzelnen bleibt begrenzt. Studien identifizieren mehrere Genvarianten, die mit dem zirkulierenden Testosteronspiegel assoziiert sind – insbesondere im SHBG-Gen (Sexualhormon-bindendes Globulin), das die Bioverfügbarkeit beeinflusst, sowie in CYP19A1 (Aromatase) und AR (Androgenrezeptor). Die Effektstärken sind jedoch meist klein (oft <5 % Varianzaufklärung) und die Ergebnisse stammen überwiegend aus GWAS (genomweite Assoziationsstudien), nicht aus randomisierten kontrollierten Studien. Ein direkter kausaler Effekt auf Muskelaufbau, Libido oder Stimmung ist damit nicht belegt. Zudem wird Testosteron stark durch Lebensstil (Schlaf, Ernährung, Bewegung, Stress) und Alter beeinflusst. Kommerzielle DNA-Tests, die „Ihr genetisches Testosteron-Potenzial“ versprechen, überschätzen häufig die Relevanz. Caveat: Ohne klinische Symptome und ärztliche Labordiagnostik (morgendlicher Serum-Testosteron-Wert) ist eine genetische Analyse nicht indiziert. Die Evidenz ist als GWAS-basiert und mechanistisch einzustufen, nicht als klinisch handlungsleitend.
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