Die Frage, ob COMT bei Fatigue helfen kann, ist differenziert zu betrachten. COMT (Catechol-O-Methyltransferase) ist ein Enzym, das den Abbau von Dopamin und anderen Katecholaminen steuert. Genetische Varianten (z. B. Val158Met) beeinflussen die Enzymaktivität und damit den Dopaminspiegel im präfrontalen Kortex. Eine niedrigere Aktivität (Met-Träger) wird mit besserer Aufmerksamkeit, aber auch höherer Stressanfälligkeit assoziiert; höhere Aktivität (Val-Träger) könnte mit geringerer Motivation und erhöhter mentaler Erschöpfung einhergehen. Die Evidenz für einen direkten Zusammenhang mit klinischer Fatigue ist jedoch schwach – es gibt keine randomisierten kontrollierten Studien, die zeigen, dass eine COMT-basierte Intervention (z. B. Supplemente oder Medikamente) Fatigue zuverlässig lindert. Die meisten Daten stammen aus GWAS und Beobachtungsstudien mit kleinen Effekten. Zudem ist Fatigue multifaktoriell (Schlaf, Ernährung, Stress, Hormone). Eine reine Genotyp-Auswertung ohne Blutwerte oder Symptomkontext ist daher nicht handlungsleitend. Marketing, das COMT als „Fatigue-Gen“ darstellt, überdehnt die Evidenz. Sinnvoller ist ein ganzheitlicher Ansatz: Schlafhygiene, Stressmanagement, Bewegung und ggf. ärztliche Abklärung anderer Ursachen (Eisenmangel, Schilddrüse).
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