Die Ferritin-Messung ist ein etablierter Biomarker für die Eisen-Speicherkapazität und wird in der klinischen Praxis zur Diagnose eines Eisenmangels eingesetzt. Ein niedriger Ferritinwert (<30 µg/L) weist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen leeren Eisenspeicher hin, selbst wenn das Hämoglobin noch normal ist. Allerdings ist Ferritin auch ein Akute-Phase-Protein: Bei Entzündungen, Infektionen oder Lebererkrankungen kann es erhöht sein und einen tatsächlichen Mangel maskieren. Daher sollte Ferritin immer zusammen mit CRP, Transferrinsättigung und ggf. löslichem Transferrinrezeptor interpretiert werden. Bei Selbsttests (z. B. MyBody-X) besteht das Risiko, dass ohne ärztliche Einordnung falsche Schlüsse gezogen werden. Ein isolierter Ferritinwert ohne klinischen Kontext kann irreführend sein. Für gesunde Menschen ohne Symptome ist ein Screening auf Ferritinmangel meist nicht nötig. Bei Risikogruppen (z. B. menstruierende Frauen, Veganer, Blutspender) kann die Messung jedoch sinnvoll sein. Die Evidenz für den Nutzen von Ferritin-Tests in der Selbstmedikation ist begrenzt – die klinische Validierung ist stark, aber die Interpretation erfordert Fachwissen. Fazit: Ferritin ist ein nützlicher, aber nicht alleinstehender Marker. Ohne ärztliche Begleitung kann der Test mehr Verwirrung stiften als nutzen.
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