Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das als Cofaktor für Selenoproteine (z. B. Glutathionperoxidasen, Thioredoxinreduktasen) eine Schlüsselrolle im antioxidativen Schutz und im Schilddrüsenstoffwechsel spielt. Ein Selenmangel kann zu einer verminderten antioxidativen Kapazität und einer gestörten Schilddrüsenfunktion beitragen – beides Faktoren, die Müdigkeit (Fatigue) begünstigen können. Allerdings ist die Evidenz für eine generelle Selen-Supplementierung bei Fatigue ohne nachgewiesenen Mangel schwach. Einige Studien zeigen einen Nutzen bei spezifischen Patientengruppen, z. B. bei Hashimoto-Thyreoiditis oder bei Personen mit niedrigem Selenstatus. Für die Allgemeinbevölkerung mit ausreichender Selenversorgung (in Deutschland meist gegeben) bringt eine zusätzliche Einnahme wahrscheinlich keinen Vorteil und kann bei Überdosierung (> 300 µg/Tag) toxisch wirken (Selenose). Vor einer Supplementierung sollte daher ein Selen-Bluttest (Vollblut oder Plasma) durchgeführt werden. Fatigue ist multifaktoriell; eine Selen-Supplementierung ist nur dann sinnvoll, wenn ein Mangel vorliegt oder eine Schilddrüsenerkrankung besteht. Die Evidenz ist insgesamt als moderat einzustufen, da sie auf Beobachtungsstudien und wenigen kontrollierten Interventionen beruht.
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