Cortisol ist ein lebenswichtiges Stresshormon, das den Körper in akuten Belastungssituationen kurzfristig leistungsfähiger machen kann. Bei chronischer Müdigkeit ist die Einnahme von Cortisol oder seinen Derivaten jedoch nicht sinnvoll, sondern potenziell gefährlich. Langfristig erhöhte Cortisolspiegel (z. B. durch chronischen Stress oder exogene Zufuhr) führen zu Immunsuppression, Muskelabbau, Osteoporose, Gewichtszunahme und Insulinresistenz. Die sogenannte „Nebennierenerschöpfung“ (Adrenal Fatigue) ist kein anerkannter medizinischer Zustand; die Vermarktung von Cortisol-Messungen und -Supplementen basiert oft auf schwacher Evidenz. Einige direkte-zu-Verbraucher-Tests (z. B. Speichel-Cortisol-Tagesprofile) können Hinweise auf eine Dysregulation geben, ersetzen aber keine ärztliche Diagnostik. Bei anhaltender Müdigkeit sollten andere Ursachen (Schilddrüse, Eisenmangel, Schlafapnoe, Depression) abgeklärt werden. Die Evidenz für eine Cortisol-Supplementierung bei Müdigkeit ist mechanistisch und nicht durch klinische Studien gestützt. Fazit: Cortisol ist kein Energielieferant; eine Selbstmedikation ist abzulehnen.
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