Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das über Selenoproteine (z. B. Glutathionperoxidasen, Selenoprotein P) an antioxidativen Prozessen und der Schilddrüsenfunktion beteiligt ist – beides relevant für die Fruchtbarkeit. Studien zeigen, dass sowohl ein Selenmangel als auch ein Überschuss die Fertilität beeinträchtigen können. Bei Männern ist ein niedriger Selenspiegel mit verminderter Spermienqualität (Motilität, Morphologie) assoziiert; bei Frauen wird ein Zusammenhang mit ovarieller Funktion und frühen Schwangerschaftsverlusten diskutiert. Die Evidenz basiert überwiegend auf Beobachtungsstudien und kleineren Interventionsstudien; groß angelegte RCTs zur Selensupplementation bei Fruchtbarkeitsproblemen fehlen weitgehend. Ein routinemäßiges Selenscreening oder eine Supplementation ohne Nachweis eines Mangels wird daher nicht empfohlen. Verbrauchertests (Blut, Haare) können den Selenspiegel messen, unterliegen aber methodischen Einschränkungen (z. B. Tageszeit, Ernährung). Gentests auf Selenoprotein-Varianten (z. B. GPX1, SEPP1) haben derzeit keine klinisch etablierte Relevanz für die Fertilitätsberatung. Eine hohe Selenzufuhr kann toxisch wirken (Selenose). Fazit: Selen ist wichtig, aber eine pauschale Supplementierung zur Fruchtbarkeitssteigerung ist nicht evidenzbasiert.
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