Die Frage nach Mythen vs. Fakten zu Stuhlproben und Müdigkeit ist berechtigt, denn viele kommerzielle Anbieter versprechen, über das Mikrobiom Aufschluss über Erschöpfungszustände zu geben. Fakt ist: Die Darm-Hirn-Achse ist ein wissenschaftlich anerkanntes Konzept, und eine gestörte Darmflora (Dysbiose) kann über Entzündungswege, Neurotransmitterproduktion (z.B. Serotonin) und Nährstoffaufnahme theoretisch Müdigkeit beeinflussen. Allerdings ist die Evidenz für direkte kausale Zusammenhänge zwischen einzelnen Stuhlbefunden und Fatigue schwach. Die meisten Studien sind mechanistisch oder beobachtend, nicht randomisiert-kontrolliert. Ein Stuhltest kann Hinweise auf Ungleichgewichte (z.B. niedrige Bifidobakterien, erhöhte pathogene Keime) geben, aber Fatigue hat viele Ursachen: Schlafmangel, Stress, Eisenmangel, Schilddrüsenprobleme, Depressionen, Long COVID u.v.m. Ein Stuhltest allein ist daher kein Diagnosewerkzeug für Müdigkeit. Marketingaussagen, die einen direkten ‚Fatigue-Score‘ aus dem Stuhl versprechen, sind übertrieben. Sinnvoller ist eine ärztliche Abklärung mit Blutbild, Hormonstatus und ggf. Funktionsdiagnostik. Die Stuhlanalyse kann ergänzend sein, aber nicht als alleinige Erklärung für Fatigue dienen. Evidenzgrad: gemischt (mechanistisch/praktisch).
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