Cortisol wird oft als reines „Stresshormon“ dargestellt, doch die Realität ist differenzierter. Tatsächlich folgt Cortisol einem zirkadianen Rhythmus: Der Spiegel ist morgens am höchsten und fällt über den Tag ab. Chronisch erhöhtes Cortisol (z. B. bei Cushing-Syndrom) kann Müdigkeit, Schlafstörungen und Erschöpfung fördern – aber auch ein zu niedriger Cortisolspiegel (Nebenniereninsuffizienz) verursacht starke Müdigkeit. Der populäre Begriff „Nebennierenerschöpfung“ ist wissenschaftlich nicht anerkannt; die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie weist darauf hin, dass es keine validen Tests für „Burnout-Cortisol“ gibt. Viele Direktverbraucher-Tests (Speichel, Haar) messen Cortisol, aber die Ergebnisse sind oft nicht klinisch verwertbar, da Tageszeit, Stress und Ernährung die Werte stark beeinflussen. Ein einzelner Messwert sagt wenig über die langfristige Regulation aus. Wer anhaltende Müdigkeit hat, sollte ärztlich abklären lassen, ob eine echte endokrine Störung vorliegt. Supplemente wie Ashwagandha oder Phosphatidylserin können Cortisol moderat senken, aber die Evidenz ist begrenzt und nicht für jeden geeignet. Fazit: Cortisol ist nicht per se „schlecht“; die Dynamik und die individuelle Regulation sind entscheidend. Marketing verspricht oft einfache Lösungen, die der Komplexität nicht gerecht werden.
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