SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) wird häufig als Marker für den Hormonstatus genutzt, insbesondere im Kontext von Stress. Chronischer Stress aktiviert die HPA-Achse und führt zu erhöhtem Cortisol, was wiederum die SHBG-Produktion in der Leber hemmen kann. Niedrige SHBG-Spiegel sind daher mit Insulinresistenz, metabolischem Syndrom und erhöhtem Androgenspiegel assoziiert – alles Zustände, die durch Stress verstärkt werden können. Allerdings ist die Evidenzlage differenziert: Während Querschnittsstudien Zusammenhänge zeigen, fehlen oft kontrollierte Längsschnittdaten, die Stress direkt mit SHBG-Abfall verknüpfen. Zudem beeinflussen Faktoren wie Ernährung, Schlaf, Bewegung und Genetik (z. B. SHBG-Polymorphismen) die SHBG-Konzentration. Ein SHBG-Test allein ist kein verlässlicher Stressmarker; er sollte im Kontext von Cortisol, DHEA und klinischen Symptomen interpretiert werden. Consumer-Labortests, die SHBG als „Stressindikator“ bewerben, übertreiben häufig die Aussagekraft. Fazit: SHBG kann Hinweise auf stressbedingte Stoffwechselveränderungen geben, ist aber kein direkter oder spezifischer Stressmarker. Die Evidenz ist moderat und basiert vorwiegend auf mechanistischen und epidemiologischen Studien.
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