Die Behauptung, dass MTHFR-Varianten (z. B. C677T oder A1298C) direkt Müdigkeit oder Fatigue verursachen, ist wissenschaftlich schwach belegt. Zwar beeinflussen diese Varianten die Folatverwertung und können bei bestimmten Konstellationen den Homocysteinspiegel erhöhen – ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Probleme –, doch ein kausaler Zusammenhang mit Fatigue ist nicht durch robuste Humanstudien gestützt. Die meisten Assoziationen stammen aus kleinen, mechanistischen oder populationsgenetischen Arbeiten (GWAS) mit geringen Effektstärken. Direkt-to-Consumer-Anbieter vermarkten MTHFR oft als „Fatigue-Gen“, obwohl Leitlinien kein routinemäßiges Screening empfehlen. Fatigue ist multifaktoriell: Schlafmangel, Stress, Eisenmangel, Schilddrüsenfunktion, Depression oder chronische Entzündungen sind weitaus relevanter. Ein Gentest kann allenfalls Hinweise auf einen erhöhten Homocysteinspiegel geben, der dann ärztlich abgeklärt werden sollte. Ohne gemessene Homocysteinwerte ist eine Supplementierung mit Methylfolat oder Methylcobalamin nicht indiziert und kann sogar Risiken bergen. Fazit: Evidenzlage ist schwach bis moderat, eher marketinggetrieben. Klinische Handlungsempfehlungen fehlen.
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